Migration, Religion sowie Gewaltbereitschaft und Gewaltdelinquenz Jugendlicher

Projektlaufzeit:

2002-2004

Projektmitarbeiter:

Prof. Peter Wetzels
Katrin Brettfeld

Kooperationspartner:

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover

Projektfinanzierung:

Drittmittel: Bundesministerium des Inneren

Projektbeschreibung:

Diese Untersuchung ist eine von mehreren (Vor)Studien, die der Vorbereitung einer größeren Untersuchung dienen, in der die Frage der Relevanz von Religionszugehörigkeit, religiösen Bindungen und religiösen Gemeinschaften für Integration und Desintegration von Zuwanderern einerseits sowie Normkonformität und Einstellung zu Demokratie und Rechtsstaat andererseits, verfolgt werden soll. Inhalt der vorliegenden Untersuchung ist die Analyse möglicher Zusammenhänge zwischen Religion, religiösen Bindungen und Gewaltkriminalität junger Menschen. Hierbei erfolgt keine Beschränkung auf eine nach Religion oder ethnischer Herkunft bzw. Nationalität spezifizierte Gruppe. Die Studie verfolgt in einem komparativen Ansatz das Ziel, die Verbreitung religiöser Orientierung junger Menschen, Migranten sowie Einheimische aller Bekenntnisse, zu beschreiben und die Bedeutung der Religion im Alltag der Jugendlichen in einer kriminologischen Perspektive zu beleuchten.
Religionszugehörigkeit und Religiosität werden dabei in Beziehung gesetzt zu Aspekten der sozialen Lage der jungen Menschen um die Frage zu beantworten, inwiefern religiöse Bindungen unter bestimmen sozioökonomischen und familiären Rahmenbedingungen gehäuft anzutreffen sind und ob sich für den Islam hier spezielle Befunde ermitteln lassen. In ähnlicher Weise wurden auch mögliche Zusammenhänge von Gewaltbereitschaft und Gewalthandeln einerseits mit Religion und religiöser Bindung andererseits empirisch-vergleichend analysiert. In multivariaten Analysen, die auch soziale Lebensbedingungen sowie Aspekte der familiären und schulischen Sozialisation berücksichtigen wird die relative Bedeutung von Religionszugehörigkeit und religiösen Bindungen für die Erklärung von Gewalthandeln und Gewaltakzeptanz bestimmt. Weiter wurden die soziale und ökonomische Integration und Partizipation sowie kulturell geprägte Geschlechtsrollenkonzepte, Männlichkeitsnormen und normative Orientierungen relevanter Bezugspersonen (u.a. der Eltern) in die Analysen einbezogen.
Als Datengrundlage dienen repräsentative Befragungen Jugendlicher, die unter Leitung von Prof. Dr. Peter Wetzels im Jahre 2000 am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen geplant und durchgeführt wurden (vgl. Wilmers et al., 2002).
Die hier durchgeführte Studie hat primär deskriptiv-exploratorischen Charakter.
Es handelt sich um eine kriminologische Analyse, die - anders als Arbeiten aus der Religionssoziologie oder dem Kontext von Theologie und Islamwissenschaften - nicht Sollens- und Glaubenssätze der religiösen Gemeinschaften, wie sie in den jeweiligen zentralen Schriften niedergelegt sind, fokussiert, sondern das Erleben und Verhalten jugendlicher Mitglieder aus solchen Gemeinschaften in den Mittelpunkt rückt. Insofern werden keine Aussagen über die Religionen insgesamt oder den Islam im speziellen getrofen sondern empirische Festestellungen über Einstellung und Verhalten Jugendlicher unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse und ethnischer Herkunft.

Publikationen aus dem Projekt:

Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2003). Junge Muslime in Deutschland: Eine kriminologische Analyse zur Alltagsrelevanz von Religion und Zusammenhängen von individueller Religiosität mit Gewalterfahrungen, -einstellungen und -handeln. In Bundesministerium des Inneren (Hrsg.), Islamismus. Texte zur Inneren Sicherheit (S.221-316). Bonn: BMI.
Wetzels, P. & Brettfeld, K. (2003). Auge um Auge, Zahn um Zahn. Migration, Religion und Gewalt junger Menschen. Münster: Lit.
Enzmann, D. & Wetzels, P. (2003). Ethnic differences in juvenile delinquency: The role of violence legitimizing norms of masculinity. In F. Dünkel & K. Drenkhahn (Eds.), Youth violence: New patterns and local responses - Experiences in East and West (pp. 316-345). Mönchengladbach: Forum Verlag Godesberg.
Enzmann, D., Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2004). Männlichkeitsnormen und die Kultur der Ehre. Empirische Prüfung eines theoretischen Modells zur Erklärung erhöhter Delinquenzraten jugendlicher Migranten. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Sonderheft 43: 264-287.
Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2004). Religiosity and Crime: Attitudes towards violence and delinquent behavior among young Christians and Muslims in Germany. International Journal of Comparative & Applied Criminal Justice. (in press)

Vorträge aus dem Projekt:

Brettfeld, K. Religiöse Orientierung Jugendlicher Schutz- oder Risikofaktor für Delinquenz. Norddeutscher Kriminologischer Gesprächskreis, Benz. 01.-04. Mai 2003.
Brettfeld, K. Religiosity, Migration, and Juvenile Delinquency. 3th annual Conference of the European Society of Criminology. Helsinki, 30th August-2nd September 2003.
Wetzels, P. Religion and Criminality - Religiosity of christian and muslim juveniles in Germany and the association of religiosity and delinquency. 3rd Conference on Migration, Culture Conflict, Crime and Terrorism. Istanbul Bilgi University.October 2nd-5th 2003.
Wetzels, P. Kultur der Ehre? Migration und Gewalt bei jungen Menschen. Institut für Sozialforschung, Hamburg, 17.11.2005