Perspektiven eines transnationalen Jugendmedienschutzes im Bereich der gewalthaltigen trägermedienbasierten Video- und Computerspiele: Eine rechtsvergleichende Analyse unter Berücksichtigung der Einschätzung systembeteiligter Akteure und Experten

Prospects of a transnational youth-protection concerning violent offline-videogames: A comparative law approach incorporating the opinions of participating stakeholders and experts

Projektlaufzeit:

2008-2010

Projektmitarbeiter:

Michael Wehsack

Projektfinanzierung:

Gefördert nach dem Hamburgischen Gesetz zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses

Funded according to the Hamburg Law for the Promotion of Young Academics

Projektbeschreibung:

Spätestens seit dem Vorfall von Erfurt im April 2002 herrscht in Deutschland eine rege und kontrovers geführte Debatte über gewalthaltige Computerspiele und die diesbezügliche Effektivität des deutschen Jugendmedienschutzes. Zum Juli 2008 hat der Bundestag abermals eine Verschärfung des Jugendschutzgesetzes beschlossen und den Katalog für mögliche Indizierungen erweitert (Vgl. BT-Drucks. 16/9024 und 16/8546). Erst kürzlich (5.6.2009) wurde es in Reaktion auf die Gewalttat in Winnenden auf der Innenministerkonferenz als erforderlich angesehen, für "Killerspiele" ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot so schnell wie möglich umzusetzen.

Dieses Projekt geht für eine Erweiterung der Diskussionsgrundlage vor allem einer Frage auf den Grund: Wie gestalten unsere europäischen Nachbarn diesen Bereich gesellschaftlicher und politischer Besorgnis? Großbritannien und Frankreich haben vergleichbar große Märkte, gehen aber meist liberaler, in einigen Bereichen allerdings auch strenger mit dieser Materie um und bedienen sich dazu unterschiedlichster Mechanismen. Die Schweizer Politik hingegen hat erst kürzlich das Thema für sich entdeckt und ist dabei, ein eigenes Regelungssystem zu implementieren. Wo liegen dabei die Unterschiede en détail und was sind ihre Ursachen? Können die Systeme voneinander lernen und gibt es Tendenzen zu einer kohärenten Vereinheitlichung auf europäischer Ebene?

Dies sind die untersuchungsleitenden Fragestellungen, denen anhand eines detaillierten Vergleichs der Rechtslage, Judikatur und Literatur unter Bezugnahme auf aktuelle Beispiele sowie der Befragung verantwortlicher Einrichtungen und Interessengruppen nachgegangen wird, um so mögliche Erkenntnisse sowohl für die Modifikation des nationalen als auch für die Perspektive eines internationalen Jugendmedienschutzes in diesem Bereich zu gewinnen.

At the latest since the school-shooting incident in Erfurt 2002, Germany has witnessed a very lively and controversial debate about violent video games. By July 2008 the Bundestag once again passed a law to tighten the Law for the Protection of Minors (Jugendschutzgesetz) by extending the catalogue of media that can be classified by authority to be banned from the sale and advertisement to minors (see BT-Drucks. 16/9024 and 16/8546 for more information). Directly reacting to the school shooting in Winnenden, just recently (5.6.2009) the Home Secretaries of the Länder decided that it is necessary to implement a law generally prohibiting the production and distribution of "killergames" as soon as possible.

This project aspires to expand the discussion by addressing one vital question: How do our European neighbours handle the very same subject? Whereas Great Britain and France have even bigger video game-economies, they mostly deal more liberal but in some aspects also more rigid with the matter and use different mechanisms to ascertain their level of youth protection. Suisse politics have only lately discovered the subject and are already underway to create their own regulative system. So what are the specific national differences and how did they come to evolve? Can the different systems learn from each other and is it even possible to find a way to a coherent European harmonization?

These are the guiding questions of research, which will be explored by a detailed comparison of existing regulations, literature and judicature, illustrated and explained by current examples of controversial video games. Most notably, stakeholders and experts from participating organizations will be interviewed to include practical experience and thus allow for better estimation of possible modifications for the national systems and for establishing a European perspective on an effective youth protection with regard to violent video games.

Publikationen aus dem Projekt:

Ladeur, K.-H. & Wehsack, M. (2009). "Jugendgefährdung" durch Medien - von der normativen Unterstellung zum sozialwissenschaftlichen Beweis? Zur Notwendigkeit der Umstellung des Jugendmedienschutzes auf Risikomanagement. UFITA III, S. 695-714.