Jugendkriminalität in Deutschland und Russland
Projektlaufzeit:
2004-2005
Projektmitarbeiter:
Olga Siegmunt
Dr. Dirk Enzmann
Prof. Peter Wetzels
Kooperationspartner:
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover
Staatliche Pädagogische Universität Wolgograd
Fachhochschule Merseburg
Projektbeschreibung:
Die Entwicklung Russlands seit Ende der 80er Jahre von einer kommunistischen zu einer marktkapitalistischen Gesellschaft zeichnet sich durch massive politische, ökonomische und soziale Veränderungen aus. Die Frage, wie sich diese Veränderungen in Gewalterfahrungen und normabweichendem Verhalten Jugendlicher niederschlagen, interessiert Sozialwissenschaftler, Politiker und Praktiker aus den Bereichen der Pädagogik und sozialen Arbeit gleichermaßen.
Als Datengrundlage dienen die repräsentativen Befragungen Jugendlicher, die unter Leitung von Prof. Peter Wetzels im Jahre 1999 am Kriminologi-schen Forschungsinstitut Niedersachsen geplant und durchgeführt wurden. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Wolgograder Staatlichen Pädagogischen Universität wurde eine repräsentative Befragung von Wolgograder Schülern der 9. Jahrgangsstufe zu Erfahrungen mit Gewalt (u.a. Viktimisierung, familiäre Sozialisation, Normorientierungen, Einstellungen zu Gewalt, selbstberichtete Delinquenz) durchgeführt.
Theoretische Basis der explorativen Analysen sind zum einen kriminologische Kontrolltheorien (Gottfredson & Hirschi), zum anderen anomietheoretische Ansätze, insbesondere die institutionelle Anomietheorie (Messner & Rosenfeld).
Da im gleichen Zeitraum gleichartige Befragungen in verschiedenen Städten in Deutschland durchgeführt wurden, erlauben die Daten erstmalig eine vergleichende Analyse von Kriminalitätserfahrungen und delinquentem Verhalten russischer und deutscher Jugendlicher.
Neben den Befragungsdaten werden deutsche und russische Hellfeldstatistiken zur Delinquenzbelastung Jugendlicher herangezogen. Im Rahmen einer explorativen ländervergleichenden Studie wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich die Viktimisierungserfahrungen sowie die Prävalenz und Inzidenz selbstberichteter Delinquenz russischer und deutscher Jugendlicher unterscheiden und welche Rolle Gewalterfahrungen in der Kindheit, Gewalteinstellungen, die subjektiven Normen (Gewaltablehnung gleichaltriger und erwachsener Bezugspersonen), gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen sowie Selbstkontrolle russischer und deutscher Jugendlicher für die Ausprägung der Gewaltdelinquenz haben.
Publikationen aus dem Projekt:
| Präg, P. (2007). Nonresponse to
Items on Self-Reported Delinquency: A Review and Evaluation of Missing
Data Techniques (unpublished Master's Thesis). Hamburg:
Universität Hamburg, Fakultät Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften, Masterstudiengang Internationale Kriminologie. |
| Siegmunt, O. (2005). Jugendkriminalität
in Russland und der BRD: Ergebnisse einer Dunkelfeldstudie
(unveröffentlichte Diplomarbeit). Hamburg: Universität
Hamburg,
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
Aufbaustudium Kriminologie. |
| Siegmunt, O., Enzmann, D. & Wetzels, P. (2005). Polizeiliche Registrierung nach Anzeige: Eingangsfilter der formellen Kontrolle von Jugendkriminalität. In: Soziale Politik und Kriminalpolitik in bezug auf delinquente Jugendliche. St Petersburg: Zentrum für Unabhängige Soziologische Forschung (in Druck). |
| Enzmann,D. & Siegmunt, O. (2005). Analyse der Jugendkriminalität in Russland und Deutschland: Ergebnisse einer Schülerbefragung in Wolgograd und Deutschland. standpunkt : sozial. Hamburger Forum für Soziale Arbeit, 16 (3), 20-25. |
Vorträge aus dem Projekt:
| Wetzels, P. & Gloel, R. Ergebnisse der Schülerbefragung in Wolgograd. Eingeladener Vortrag an der Staatlichen Pädagogischen Universität Wolgograd. Oktober 2000. |
| Siegmunt, O. Jugendkriminalität in Russland und in der BRD. Norddeutscher Kriminologischer Gesprächskreis, Münster, 29. April - 2. Mai 2004. |
| Wetzels, P. Juvenile delinquency in Germany and Russia: Results of comparative community based surveys in Volgograd and four German cities. 4 rd Annual Conference of the European Society of Criminology, Amsterdam. August 25 th - 28 th 2004. |
| Enzmann,D. & Siegmunt, O. Jugendkriminalität in Russland und Deutschland im Vergleich - Ergebnisse von Schülerbefragungen in Wolgograd und Deutschland. Eingeladener Vortrag, gehalten auf einer Internationalen Fachtagung, Wolgograd. 4.-7. April 2005. |
| Siegmunt, O. Gewalteinstellungen der Jugendlichen in Deutschland und Russland. Norddeutscher Kriminologischer Gesprächskreis, Bad Bederkesa. 27.-29. Mai 2005. |
| Enzmann,D. & Siegmunt, O. Instrumental and non-instrumental violence among Russian and German juveniles: Relevance for anomie theory and cross-national research on criminal behavior. 5 th Annual Conference of the European Society of Criminology, Cracow. August 31 st - September 3 rd 2005. |
| Präg, P. (2007). Item
nonresponse in self-report studies: A
comparison between German and Russian juveniles’ reporting
behavior (Paper presented at the Common Session of the
European Common Study Program in Critical Criminology, University of
Kent, April 1-5, 2007). |