Viktimisierung und Delinquenz Jugendlicher in Deutschland in international vergleichender Perspektive (ISRD 2)
Projektlaufzeit:
2005-2007
Projektmitarbeiter:
Dr. Dirk Enzmann
Franziska Seyboth-Teßmer
Prof. Dr. Peter Wetzels
Kooperationspartner:
Niederlande (J. Junger-Tas und Mitarbeiter)
USA (I. Haen-Marshal und Mitarbeiter)
Schweiz (M. Killias und D. Ribeaud)
Schottland (S. McVie)
sowie weitere Forschungsgruppen in insgesamt 22 Ländern
Projektfinanzierung:
Drittmittel: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Projektbeschreibung:
Die Abteilung Kriminologie am Institut für Kriminalwissenschaften der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg führt derzeit eine bundesweite, multizentrische Studie zu Viktimisierung und Delinquenz Jugendlicher in Deutschland in international vergleichender Perspektive durch. Ziel der Studie ist es, die Verbreitung, Struktur und soziale Hintergründe von Jugendkriminalität in Deutschland auf Grundlage eines standardisierten Erhebungsverfahren und Stichprobendesign zu untersuchen, das in gleicher Form auch in anderen Staaten Europas und der USA realisiert wird. Ein zentraler Bestandteil dieser multizentrischen Untersuchung ist die standardisierte Befragung von Schülerinnen und Schülern der 7., 8. und 9. Jahrgangsstufen in einer Großstadt (über 500.000 Einwohner), einer mittelgroßen Stadt (ca. 120.000 Einwohner (+/- 20%) sowie drei kleinen Städten im ländlichen Bereich (Größenordnung 10.000 bis 75.000 Einwohner; jeweils im Norden, Süden bzw. Osten der Bundesrepublik Deutschland).
Thematisiert werden dabei delinquentes Verhalten, Opfererfahrungen, Anzeigeverhalten, mit Delinquenz assoziierte Persönlichkeitsfaktoren sowie Merkmale des sozialen Umfeldes. Derzeit ist die Datenlage zur Jugend- als auch zur Kinderkriminalität in Deutschland in Relation zur Lage in anderen europäischen Ländern sehr unbefriedigend. Diese Lücke soll die Teilnahme an der nunmehr zweiten internationalen ISRD-Studie (International Self-Report Delinquency Study) schließen.
Das nationenvergleichende Design der Untersuchung ermöglicht es, neben der Beschreibung der nationalen Situation in Deutschland auch Ähnlichkeiten und Unterschiede der Jugendkriminalität in über 20 Industrienationen festzustellen. Die Analyse kann sich insoweit in vergleichender Hinsicht auf bedeutsame nationale Differenzen in den verschiedenen Ausprägungen von Jugenddelinquenz richten und die diesen zugrunde liegenden Einflussfaktoren in Familie, Schule, Sozialstruktur wie auch der formellen Kontrolle fokussieren. Angesicht der Heterogenität der Rechtskulturen, der Sozialstrukturen wie auch der praktischen Maßnahmen als Reaktion auf abweichendes Verhalten junger Menschen in den verschiedenen Ländern ist der internationale Vergleich für Einsichten über Effekte nationaler Formen des Umgangs mit Jugendkriminalität besonders fruchtbar und weiterführend. Eine solche international-vergleichende Analyse ist nicht zuletzt im Kontext des Prozesses der europäischen Integration, der sich dabei ergebenen Erfordernisse einer Abstimmung nationaler Kriminalpolitik auf europäischer Ebene, auch praktisch von hoher Relevanz. Von Wissenschaftlern wird schon länger betont, das kultur- und nationenvergleichende Forschung eine sehr nützliche Methode zur Generierung, Prüfung und Weiterentwicklung von Erklärungsansätzen darstellt, die ihrerseits wiederum für die Konzipierung praktischer Maßnahmen unerlässlich benötigt werden (siehe dazu auch BMFSFJ 2004). Weiter bietet die Beteiligung an einer solchen Studie den Vorteil, Informationen zur Jugendkriminalität in einigen der neuen Beitrittsländer der EU, insbesondere in Osteuropa zu erhalten, was unter Aspekten der Planung von Prävention wie auch der notwendigen Versachlichung von Diskussionen über dieses Thema sicherlich sinnvoll ist.Neben der Durchführung der Studie in Deutschland ist Herr Dr. Enzmann als Mitglied des Steering-Committee mit verantwortlich für die Methodenkoordination der beteiligten Staaten.