Struktur und Entwicklung von Jugendgewalt und Delinquenz unter jugendlichen Schülerinnen und Schülern in Hamburg 1997-2004
Projektlaufzeit:
2005-2007
Projektmitarbeiter:
Prof. Peter Wetzels
Katrin Brettfeld
Tobias Block
Dr. Dirk Enzmann
Kooperationspartner:
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen, Hannover
Projektfinanzierung:
Drittmittel: Behörde für Bildung und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg
Projektbeschreibung:
Die Studie knüpft an die Ergebnisse der Schülerbefragungen der Jahres 1998 und 2000 an, die unter Leitung von Prof. Wetzels am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen durchgeführt wurden. Diese Studien ließen erstmals Feststellungen hinsichtlich diskrepanter Entwicklungen in Hell- und Dunkelfeld zu. Es war nachweisbar, dass Rückgänge von Gewalteinstellungen, gewaltbegünstigenden Konstellationen sowie Gewaltverhalten stattgefunden hatten, also begrüßenswerte rückläufige Entwicklungen der Gewalt in Täter und Opferperspektive. Das zeigte sich für diese Altersgruppe in Hellfelddaten so nicht, da gleichzeitig - wie ebenfalls nachgewiesen werden konnte - sowohl die Anzeigebereitschaft gestiegen war als auch subjektive Bewertungsmaßstäbe sich in Richtung auf eine höhere Sensibilität für Normverstöße verschoben hatten. Weiter konnte speziell für Hamburg nachgewiesen werden, dass der Schweregrad der Delikte ebenfalls rückläufig war, was mit Feststellungen aus Aktenanalysen tatsächlicher Verfahren aus Hannover in Einklang stand.
Die Ziele der für 2005 in Hamburg geplanten Erweiterung der Untersuchung bestehen zum einen darin, Aufschluss über die Entwicklung von Opfererfahrungen, Gewalthandlungen und Gewalteinstellungen Hamburger Jugendlicher im Längsschnitt für die Zeit zwischen 1997 und 2004 zu gewinnen. Darin einbezogen sind Erkenntnisse über Veränderungen von Deliktschwere und Anzeigebereitschaft in diesem für die Jugendkriminalität zentralen Alterssegment.
Des weiteren zielt die Studie darauf ab, Erkenntnisse über die Problematik des Schulschwänzens zu erhalten, insbesondere dessen Veränderungen in Hamburg seit dem Jahr 2000. Fraglich ist hier beispielsweise, ob Veränderungen der Schulschwänzraten relevant für mögliche Veränderungen in Hell- und Dunkelfeld der Jugenddelinquenz sind. Dies kann sich durchaus unterschiedlich darstellen.
Schließlich befasst sich die Studie, in Ergänzung zu den früheren Erhebungen, aktuell mit dem Bereich der Freizeitinteressen und Freizeitgestaltung junger Menschen. Dies knüpft an frühere Erkenntnisse zur Relevanz der Gleichaltrigengruppe in diesem Alterssegment an und greift Hypothesen auf, die im Rahmen der sogenannten routine-acitivty-Theorie in der Kriminologie zur Erklärung des Phänomens der Mehrfachviktimisierung bestimmter Teilgruppen geprüft werden.
Publikationen aus dem Projekt:
| Enzmann, D., Wetzels, P. & Pfeiffer, C. (1999). Youth violence in Germany: a study of victimisation and delinquency in four major cities. In G. J. N. Bruinsma & C. D. van der Vijver (Hrsg.), Public Safety in Europe (S. 93-109). Enschede: International Police Institute Twente, University of Twente. |
| Wetzels, P. & Enzmann, D. (1999). Erleiden und handeln: Erfahrungen junger Menschen mit Gewalt. Ergebnisse einer repräsentativen Opfer- und Täterbefragung in vier bundesdeutschen Großstädten. In Grimm, A. (Hrsg.), Kriminalität und Gewalt in der Entwicklung junger Menschen. Forschungsbefunde - Praxiserfahrung - Politische Konzepte (Loccumer Protokolle, 50/98, S. 90-168). Rehburg-Loccum: Evangelische Akademie Loccum. |
| Wetzels, P., Enzmann, D. & Pfeiffer, C. (1999). Gewalterfahrungen und Kriminalitätsfurcht von Jugendlichen in Hamburg: Abschließender Bericht über Ergebnisse der weiteren Analysen von Daten einer repräsentativen Befragung von Schülerinnen und Schülern der 9. Jahrgangsstufe (Forschungsbericht). Hannover: KFN. |
| Wetzels, P., Enzmann, D., Mecklenburg, E. & Pfeiffer, C. (2001). Jugend und Gewalt: Eine repräsentative Dunkelfeldanalyse in München und acht anderen Städten. Baden-Baden: Nomos. |
| Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2002). Jugendliche als Opfer und Täter: Befunde aus kriminologischen Dunkelfeldstudien. In U. Lehmkuhl (Hg.), Agressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen. Ursachen, Prävention, Behandlung, (S. 78-114). Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht. |
| Wilmers, N., Enzmann, D., Schaefer, D., Herbers, K., Greve, W. & Wetzels, P. (2002). Jugendliche in Deutschland zur Jahrtausendwende: Gefährlich oder gefährdet? Baden-Baden: Nomos. |
| Brettfeld, K., Fabian, T. & Wetzels, P. (2003). Schulschwänzen Jugendlicher: Ansatzpunkt für Prävention und Intervention in der Sozialen Arbeit? -Ergebnisse einer vergleichenden Studie in Leipzig und anderen Städten. In T. Fabian & R. Schweikart (Hrsg.), Brennpunkte der Sozialen Arbeit (S. 265-306). Münster: Lit. |
| Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2003). Jugendliche und Gewaltkriminalität: Ein Lehrstück zur praktischen Relevanz von Dunkelfeldforschung. in: Martin K. Schweer (Hrsg). Das Jugendalter. Perspektiven pädagogisch-psychologischer Forschung (S.123-162). Frankfurt: Peter Lang. |
| Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2003). Soziale Selektivität strafrechtlicher Sozialkontrolle bei Jugendkriminalität? Praxis der Rechtspsychologie, 13 (2), 226-258. |
| Enzmann, D. & Wetzels, P. (2003). Ethnic differences in juvenile delinquency: The role of violence legitimizing norms of masculinity. In F. Dünkel & K. Drenkhahn (Hrsg.), Youth violence: New patterns and local responses - Experiences in East and West (S. 316-345). Mönchengladbach: Forum Verlag Godesberg. |
| Enzmann, D., Brettfeld, K. & Wetzels, P. (2004). Männlichkeitsnormen und die Kultur der Ehre. Empirische Prüfung eines theoretischen Modells zur Erklärung erhöhter Delinquenzraten jugendlicher Migranten. In D. Oberwittler & S. Karstedt (Hrsg.), Soziologie der Kriminalität (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 43/2003, S. 264-287). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. |