Prof. Dr. Klaus Sessar - Forschung
| Forschungsschwerpunkte: | |
| Das Interesse gilt kriminologischer Theorie, nicht im Sinne von Ursachentheorien, sondern von konzeptuellen Annäherungen an das Problem der Konstruktion von Unrecht/Recht unter dem Aspekt seiner sozialen Funktionen, in den Systemen des Rechts, der Ökonomie, der Politik, der Medizin, der Medien, usw. Hier spielt der Labeling approach hinein, wenn auch in seiner epistemologischen Ausgangsbedeutung. | |
| Ein weiterer theoretischer Interessenbereich betrifft die neue Bedeutung von Kriminalitätseinstellungen wie Verbrechensfurcht und Strafbedürfnisse, hinter denen sich zunehmend Protest oder Aufbegehren im Hinblick auf soziale Umbrüche, urbane Verwahrlosungen, Existenzängste und globale Beunruhigungen zu verbergen scheinen. Damit einher geht eine neue Begriffsbildung; im "Risiko" kommen alle diese Großbedrohungen zusammen und führen zu Ri-sikoängsten und allgemeinen Unsicherheitsgefühlen. Sie bilden den Aufhänger für neue Formen der Kriminalprävention, da die wesentliche Eigenschaft des Risikos seine Unbekanntheit und Unvorhersehbarkeit ist. Risiko ist im Unterschied zur Gefahr nichts, worauf man sich konkret einrichten könnte; es ist eine Konstruktion unserer geängstigten Vorstellungswelten. Dieses Nichtwissen wird durch Kontrolle ersetzt. Damit aber werden die alten Sorgen um eine Repression als ein immer bedeutungsvolleres Steuerungsinstrument der Politik durch neue Sorgen um eine wachsende, das heißt die gesamte Bevölkerung betreffende Kriminalprävention mit Hilfe einer technologisch gestützten Allüberwachung vielfach abgelöst. Hierzu gehören auch Untersuchungen zur Unsicherheit gerade in Großstädten, wobei Vergleiche europäischer Städte mit ihren gänzlich unterschiedlichen historischen, kulturellen, ökonomischen und sozialen Hintergründen besonders ertragreich sind. | |
| Auf einer eher praktischen Ebene gelten kriminalpolitische Bemühungen kleinen und großen Abschwächungen des herrschenden Strafkanons, etwa der Diversion, dem Täter-Opfer-Ausgleich, Restorative Justice, vor allem der Wiedergutmachung als einer echten großen Alternative. | |
| Größere Forschungsprojekte (Forschungsdatum; Förderung): | |
| Diversion in Lübeck, Köln, Braunschweig und Hamburg (1983; Stiftung Deutsche Jugendmarke) | |
| Wiedergutmachen oder Strafen (1984/85; DFG) | |
| Sozialer Umbruch und Kriminalität in Deutschland (mit Universität Tübingen und Humboldt-Universität Berlin; 1991/1993; DFG) | |
| Insecurities in European Cities (mit Institutionen in Amsterdam, Budapest, Krakau und Wien; 2001-2004; EU) | |